Mit der alltäglichen Wahrnehmung der Umwelt haben die Acrylbilder von Brigitte Strux auf den ersten Blick nicht viel zu tun. Sie sind farbenfroh, konturenreich und stehen in der Tradition der antinaturalistischen Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aber auch wenn oder gerade weil Komposition, Farbgebung und Figurendarstellung dem Auge ungewohnt und bisweilen etwas fremdartig erscheinen, wirken die in den Bildern thematisierten Inhalte vertraut. Vor allem die Landschaftsinterpretationen mit ihren leuchtenden Blau- und Gelbtönen sind es, die in die Galerie des Kult41 ein mediterranes Flair bringen. Strux hat verschiedenste Naturerlebnisse aus mehreren längeren Auslandsaufenthalten in Kanada, Spanien und Frankreich auf die Leinwand gebracht. Ihr Anliegen war es dabei, erlebte Stimmungen festzuhalten und zu vermitteln. Viele Bilder strahlen daher Leichtigkeit, Gelassenheit und innere Ruhe aus. In der Natur selbst hat sie ihre Arbeit aber nur selten ausgeübt: "Das engt mich nur noch mehr ein.", so die Künstlerin. Das können besonders ihre Portraits und Menschendarstellungen. Ein einfacher Arbeiter oder eine sitzende alte Frau gehören ebenso dazu wie jene Bilder, die allgemeinmenschliche Gefühle und Erfahrungen behandeln wie zum Beispiel eine unglückliche oder schicksalhafte Begegnung. Mehrere Arbeiten thematisieren eine demonstrierende Menschenmenge, bestehend aus aneinander gepressten Oberkörpern mit kantigen, teils silhouettenhaften Gesichtern, die durch dicke, breite Konturen und wenig ausdifferenzierte Züge verfremdet sind. Sie sind nur noch ein Zerrbild des Menschlichen. Zwischen den Konturen befinden sich unnatürlich monochrome Farbflächen ohne Zwischenräume, die das Gefühl der Enge verstärken und die Menschen als gleichförmige Einheit, nicht als Individuen erfahrbar machen. Ihre Unzufriedenheit, die Forderung nach Gerechtigkeit, zwingen diese Arbeiter auf die Straße. Trotzdem wirken die Bilder nicht deprimierend, sondern wecken Hoffnung.*"> Die Kölner Künstlerin versteht ihre Art zu malen als "Gegenpol zur umfassenden medialen Inszenierung der Gesellschaft." Deshalb will sie selbst ihre Bilder auch nicht interpretieren und ihr Publikum damit in vorgefertigte Denkbahnen lenken. Gespannt beobachtet sie lieber, was die Betrachter in ihrer Kunst lesen und wie diese plötzlich eine Eigendynamik entwickelt. Galerie im Kult41, Hochstadenring 41/Viktoriabrücke; bis 25. Mai. Do, Fr, So 16-20 Uhr