KULTUR Im Kult 41 fühlen sich alternative Künstler wohl. Fünf Jahre erfolgreiche Arbeit
- von Isabel Klotz

NORDSTADT. Am Anfang war die Skepsis groß: "Manche Nachbarn befürchteten wohl, dass sich hier eine wilde
alternative Szene entwickelt", sagt David Greiff. Der Vorsitzende des Kulturfördervereins Nordstadt kennt
die Geschichten aus der Anfangszeit des alternativen Kulturzentrums "Kult 41" am Hochstadenring 41 nur
aus Erzählungen. "Es soll sogar eine Flugblattaktion gegen uns gegeben haben", sagt er. Inzwischen ist
das Kult 41 fünf Jahre alt, und aus den anfänglichen Vorbehalten ist allgemeines Lob geworden.
Im April 1999 wurde das Kulturzentrum an der Viktoriabrücke eingeweiht, das aus dem Kulturförderverein
Nordstadt hervorgegangen ist. Harte Arbeit sei es gewesen, bis aus dem sehr heruntergekommenen Gebäude
das erfolgreich arbeitende Kulturzentrum wurde. "Nach der denkbar knappen Ratsentscheidung für die
Nutzung wurde uns wenig Durchhaltevermögen vorausgesagt", erinnert sich Jörg Kaufmann. Die Stadt überließ
dem Verein das Haus für eine Mindestlaufzeit von zehn Jahren zur Nutzung. Im ersten Jahr musste keine
Miete gezahlt werden, da die Räume nahezu unbenutzbar waren. Kaufmann sorgte mit vielen Helfern dafür,
dass aus dem abbruchreifen Haus eine helle Galerie, ein Veranstaltungsraum mit Bühne und Theke sowie
Ateliers und Probenräume wurden. Zurzeit hat der Kulturförderverein Nordstadt an mehr als 30 Künstler
Räume vermietet.
"Alles haben wir selbst gemacht, wir sind ein kompletter »Do-it-yourself«-Laden", sagt Kaufmann, der für
Bauarbeiten im Kult 41 zuständig ist. Bis heute blieb als Andenken an marode Zeiten in einer Ecke der
Galerie der Boden offen. Dort sprießen immer noch einige Pflänzchen. Ein paar andere Eigenheiten haben
sich ebenfalls bis heute gehalten: "Mineralwasser ist bei uns gratis, und Alkohol gibt es aus Prinzip
nicht", sagt Greiff.
Die wenigen Gründungsmitglieder sind im Laufe der Jahre zu einer großen Gemeinschaft angewachsen. Heute
teilten sich 120 Leute die ehrenamtliche Kulturarbeit. "So ist eine Kontinuität von Veranstaltungen aus
vielen Kultursparten gewährleistet", sagt Greiff. Bis zu 80 Events aus den Bereichen Musik, Literatur,
Theater, Film und bildende Kunst finden pro Jahr statt. "Mittlerweile sind wir auch über die Stadtgrenzen
bekannt und bekommen sogar internationale Anfragen", sagt Greiff. Außerdem sei das Kult 41 auch
Veranstaltungsort für die diesjährige Bonner Biennale. "Dieser Brückenschlag zwischen alternativem und
etabliertem Kulturbetrieb freut uns", sagt der Vorsitzende. Auch für die Unterstützung aus allen
Fraktionen ist der Verein dankbar.
Gemäß dem Motto, "das Kult 41 ist genauso stark und lebendig wie das individuelle Engagement der
Mitglieder und Freunde", versteht sich das Kulturzentrum weiterhin als Ideenschmiede und Mitmachladen.
Ein offenes Treffen jeweils donnerstags lädt all jene ein, die sich an der Weiterentwicklung des
Kulturbetriebs beteiligen möchten.
Zurzeit stellt der polnische Fotokünstler Bogdan Prystrom im Kult 41 aus. Weitere Informationen und
Veranstaltungen im Internet unter www.kult41.de